Wer ist eigentlich Carmen? Hablando de Carmen mit Schüler*innen der IGS Linden

Ein Teil des Prozesses der Erarbeitung von „Hablando de Carmen“ waren Workshops mit Musikschülern der 11. Klasse der IGS Linden. Die Musiklehrerin J. Reh hat einige Erfahrungen zusammengefasst:

Musikunterricht…. Oper…. Gesang…. Georges Bizet…. Carmen….

Von besonderer Begeisterung konnte man nicht sprechen als ich der Klasse 11.4 der IGS Linden die Planung der kommenden Unterrichtsstunden präsentierte.  Für Jugendliche im Alter von 17, 18 oder 19 Jahren zählt das Behandeln einer Oper von einer Dauer von fast drei Stunden nicht unbedingt zur Lieblingsbeschäftigung. Nicht nur Offenheit, die Fähigkeit sich auf Neues einzulassen, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, Musik zu hören, vielleicht auch zu „ertragen“, die weit entfernt ist von dem, was man gewohnt ist, sondern auch das sich Erarbeiten von Aspekten einer anderen, neuen und unbekannten Welt, die auf den ersten Blick nicht unbedingt attraktiv erscheint, wird den Jugendlichen abverlangt.

Dass Carmen eine facettenreiche, unglaublich interessante und anziehende, von Mythen umgebene starke Frau ist, die allein in ihrer Person Freiheit und Zwang, Liebe und Tod, Eifersucht, Drama und Spiel, Selbstbewusstsein und Unterdrückung, Emanzipation und Durchbrechen von damaligen Gesellschaftsstrukturen vereint, wurde schon recht schnell im Vorfeld deutlich. Alles andere geschah in den anschließenden Workshopstunden mit dem Hablando-de-Carmen-Team.

Hablando de Carmen ist nicht nur ein Gespräch über eine Opernfigur. Es war für die Schüler/innen der 11.4 ein kreativer, freier Zugang zu verschiedensten Aspekten, die auch heute und auch bei 17-jährigen Jugendlichen von Brisanz sind.

So haben wir gemeinsam getanzt, geschrieben, gedichtet, gesungen, geschauspielert, gerufen, mit Stäben gekämpft, Rhythmen erzeugt, Klänge gesucht und gefunden, musiziert und unseren Körper als Ausdrucksmittel genutzt. Wir haben erfahren wie sich eine Performance entwickelt und wie ein kreativer Prozess funktioniert und das am eigenen Leib.

Nur selten habe ich Schülergruppen so ernsthaft, zielgerichtet und intensiv an solch kreativen und sehr freien Prozessen in kurzer Zeit arbeiten sehen können, die immer in einer ausdrucksstarken und inhaltlich vielschichtigen Performance mündeten.

Die Jugendlichen öffneten sich nicht nur gegenüber der fremden Thematik, sondern auch sich selbst als agierende Performer. Sich über ein Thema mal ganz anders äußern – mit dem Körper, mit Klängen oder Musik, mit Versen und vor allem als Gruppenperformance nach einem kreativen, gemeinsamen Prozess – erfordert noch viel mehr Offenheit gegenüber seinen Mitstreitern, seinem Körper und seinen Emotionen.

Das Erlernen all dieser Kompetenzen, die nicht nur das weitere Leben, sondern auch die persönlichen Einstellungen gegenüber Fremdem und Neuem und den eigenen Charakter prägen, geschah bei unseren Hablando-de-Carmen-Workshops auf eine sehr intensive, freie und kreative Art und Weise.

Carmen wird somit auch bei den in einer mittlerweile ganz anderen Welt lebenden Jugendlichen ihre Spuren hinterlassen haben….

J. Reh

Musiklehrerin an der IGS Linden

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