Auf Spurensuche in Texten

von links nach rechts: Christina Rohwetter, Loris Zambon, Mónica García Vicente. © Dorit Schulze

Mit seiner Novelle Carmen hat der französische Schriftsteller Prosper Mérimée eine der berühmtesten Femme Fatale geschaffen. Im Fin de Siècle ist die Femme Fatale in ihrer Freiheitsliebe und fordernden Sinnlichkeit das Gegenbild zum bürgerlichen Modell der untergeordneten monogamen Ehefrau und Mutter ohne eigene sexuelle Bedürfnisse. Ein Mythos, der die Ängste und Sehnsüchte einer Epoche am Beginn der Moderne spiegelt und damals wie heute von weiblicher Degradierung und Selbstermächtigung erzählt.

Für mich ist Carmen vor allem eine Frau, die sich über alle gesellschaftlichen Zuschreibungen hinwegsetzt und jeden Rahmen sprengt: Geschlechterrollen, Liebesmoral, Identität, Nationalität, sozialer Status – das sind Konstrukte, von denen sie völlig frei ist und die sie dennoch spielerisch beherrscht, wenn es ihr nutzt. In dieser Auflehnung erinnert mich Carmen an die französische Schriftstellerin Virginie Despentes, die als „Proletin der Weiblichkeit“ mit aller gebotenen Wut und Zärtlichkeit für die Ausgegrenzten und Unangepassten schreibt.

In Hablando de Carmen gibt es diese Wut und diese Zärtlichkeit, die Affirmation und den Selbstzweifel, die Suche nach Zugehörigkeit und nach Autonomie…

Christina Rohwetter

#hablandodecarmen #carmen #tanzklangtext #spurensuche

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